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09.04.2024 News

Kleine Höfe stärker fördern

Landwirtschaftssprecher Andreas Lackner, Gemeinderat Friedrich Leitgeb und Klubobfrau Sandra Krautwaschl
"Die Natur ist die Grundlage für die Landwirtschaft. Wenn wir die Bedeutung von Artenvielfalt und Naturschutz für unsere Landwirtschaft ignorieren, sägen wir am Ast, auf dem wir sitzen. "
Landwirtschaftssprecher Andreas Lackner

Der kürzlich zum bundesweiten Obmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern gewählte Landtagsabgeordnete Andreas Lackner unterstrich bei einem Besuch in der Weststeiermark Grüne Anliegen für eine zukunftsfähige Landwirtschaft. Beim Besuch des Hofkollektivs Wieserhoisl in Deutschlandsberg stellte er gemeinsam mit Klubobfrau Sandra Krautwaschl klar: Kleinbäuerliche Strukturen müssen finanziell besser gefördert werden.

 

Die Zahlen zeigen eine äußerst bedenkliche Entwicklung: In den letzten 50 Jahren hat es in der Steiermark einen dramatischen Rückgang der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe gegeben. Von 73.403 Betrieben im Jahr 1970 sank die Zahl auf 33.605 im Jahr 2020, hat sich also mehr als halbiert: Das bedeutet nicht nur einen Verlust an Arbeitsplätzen, sondern auch an Kulturlandschaft und Artenvielfalt. Darüber hinaus sind in den letzten zehn Jahren steiermarkweit mehr als 50.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gegangen, verursacht durch eine schlechte Raumordnungspolitik.

Klubobfrau Sandra Krautwaschl betonte im Rahmen eines Pressegesprächs beim Wieserhoisl nahe Deutschlandsberg: „Viele Betriebe machen sich momentan Sorgen und haben große Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen und wirtschaftlich zu bestehen. Dabei kann der Wert ihrer Arbeit nicht hoch genug eingeschätzt werden: Die Landwirtschaft sorgt für unsere Ernährungssicherheit, sie schafft Arbeitsplätze, kümmert sich um den Erhalt der Kulturlandschaft und ist damit auch für den Tourismus von entscheidender Bedeutung.“

Landwirtschaft geht nur mit der Natur und nicht gegen sie

Für die Grünen ist außerdem klar: Landwirtschaft und Naturschutz funktionieren nur miteinander. Keinesfalls dürfen diese beiden Bereiche gegeneinander ausgespielt werden, wie das derzeit von der ÖVP betrieben wird. Andreas Lackner, selbst Gemüsebauer im Nebenerwerb und seit kurzem nicht nur Landwirtschaftssprecher der steirischen Grünen, sondern auch Bundesobmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern: „Die ÖVP hat auf EU-Ebene massiv gegen das Renaturierungsgesetz Stimmung gemacht und argumentiert, durch Umweltschutzauflagen ruiniere man die Landwirtschaft. Das Gegenteil ist der Fall: Die Natur ist die Grundlage für die Landwirtschaft. Wenn wir die Bedeutung von Artenvielfalt und Naturschutz für unsere Landwirtschaft ignorieren, sägen wir am Ast, auf dem wir sitzen. Denken wir da zum Beispiel an die unbezahlbare Leistung der Insekten für die Bestäubung. Ihre Zahl ist aber dramatisch zurückgegangen: Über 70 Prozent der Fluginsekten-Biomasse ist schon verloren gegangen. Dabei wissen wird, ohne Bestäuber wird es schnell finster. Unsere Ernährungssicherheit ist also massiv in Gefahr.“

Zu Besuch am Wieserhoisl am Fuß der Koralm

Der Erhalt der Artenvielfalt und die Bewirtschaftung in Einklang mit der Natur ist auch Dipl.-Ing. Dr. Friedrich Leitgeb ein Herzensanliegen. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und Grüner Gemeinderat in Deutschlandsberg betreibt gemeinsam mit Gleichgesinnten eine kleinbäuerliche biologische Landwirtschaft am Fuß der Koralm – das Hofkollektiv Wieserhoisl. Gemüse-, Obstbau und die Grünlandbewirtschaftung werden so betrieben, dass Artenvielfalt und eine große Sortenvielfalt gefördert werden. Krainer Steinschafe, eine gefährdete Nutztierrasse, weiden auf Wiesen, die nur zwei Mal jährlich gemäht werden, um so eine maximale Biodiversität sicherzustellen.

Friedrich Leitgeb schildert die Philosophie des Hofkollektiv Wieserhoisl: „Wir fördern alte und standortangepasste Sorten, die Vielfalt im Garten, im Wald und an verschiedenen Lebensräumen. So schaffen wir Raum für Artenvielfalt und sichern die Lebensgrundlage für uns und die nächsten Generationen.“

Mehr Fördergelder für kleine Betriebe

Kleinbäuerliche Bewirtschaftung wie diese sollte wesentlich stärker gefördert werden, sagte Sandra Krautwaschl: „Was Bäuerinnen und Bauern, die ihre Flächen naturnah bewirtschaften, leisten, verdient viel mehr Wertschätzung. Wir Grüne setzen uns dafür ein, dass kleine Betriebe deutlich besser finanziell unterstützt werden, für die ersten 20 Hektar sollten die Fördergelder verdoppelt werden.
Außerdem erinnerte die Klubobfrau an eine Initiative im Landtag, die den Höfen mehr Gelder aus der Tourismusabgabe sichern soll: Ein „Kulturlandschaftseuro“, also ein Euro mehr auf die Nächtigungsabgabe, soll direkt den Bäuerinnen und Bauern zu Gute kommen, „weil sie es sind, die für den Erhalt unserer wertvollen Kulturlandschaft sorgen, die für den Tourismus von unschätzbarer Bedeutung sind.“

Andreas Lackner appellierte an alle Beteiligten, ein neues Kapitel aufzuschlagen: „Die Zeit zum Handeln ist jetzt! Die Agrarpolitik muss reformiert werden. Es braucht die dringend notwendige Balance zwischen Produktivität und Umweltschutz, damit die steirische Landwirtschaft langfristig florieren kann, ohne unsere natürlichen Ressourcen zu gefährden.“