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18.03.2024 News

Mit­ein­an­der von Land­wirt­schaft und Na­tur­schutz

Klubobfrau Sandra Krautwaschl und Landwirtschaftssprecher Andreas Lackner
"80 Prozent unserer Pflanzen sind von der Bestäubung von Insekten abhängig, und deren Zahl ist bereits massiv geschrumpft. Es braucht daher einen grundlegenden Systemwechsel in der Landwirtschaft, denn diese geht nur mit der Natur und nicht gegen sie."
Klubobfrau Sandra Krautwaschl

Die steirischen Grünen bringen mit einer dringlichen Anfrage die Agrarpolitik auf die Tagesordnung der Landtagssitzung: Sie fordern ein grundlegendes Umdenken: Denn Landwirtschaft geht nur mit der Natur und nicht gegen sie. Nur so können die Grundlagen für Ernährungssicherheit und unsere Umwelt nachhaltig gesichert werden.

Die Zahlen zeigen eine äußerst bedenkliche Entwicklung: In den letzten 50 Jahren hat es in der Steiermark einen dramatischen Rückgang der land- und forstwirtschaftlichen Betriebe gegeben. Von 73.403 Betrieben im Jahr 1970 sank die Zahl auf 33.605 im Jahr 2020, hat sich also mehr als halbiert: Das bedeutet nicht nur einen Verlust an Arbeitsplätzen, sondern auch an Kulturlandschaft und Biodiversität. Darüber hinaus sind in den letzten zehn Jahren steiermarkweit mehr als 50.000 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche verloren gegangen, verursacht durch eine schlechte Raumordnungspolitik.

Kritik an ÖVP und Landesrätin Schmiedtbauer

In der Landtagssitzung am Dienstag, 19. März, werden die Grünen eine Dringliche Anfrage an Agrarlandesrätin Schmiedtbauer stellen. Klubobfrau Sandra Krautwaschl betont: „Unsere Landwirtschaft ist nicht nur der Schlüssel zur Ernährungssicherheit und ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Steiermark, sondern auch ein entscheidender Akteur im Umweltschutz. Auch die ÖVP muss nun endlich aufhören, Landwirtschaft und Umweltschutz gegeneinander auszuspielen: Beides geht nur miteinander. Leider vermissen wir bei Landesrätin Schmiedtbauer bisher das Verständnis für diesen unabdingbaren Zusammenhang.“

Die jüngsten Ereignisse in der steirischen Agrarpolitik, darunter das Veto gegen das EU-Renaturierungsgesetz, zeigen, dass die ÖVP Landwirtschaft und Naturschutz offenbar als Gegensätze sieht. Der kürzlich zum Bundesobmann der Grünen Bäuerinnen und Bauern gewählte Landtagsabgeordnete Andreas Lackner, selbst Landwirt im Nebenerwerb, kritisiert diese Sichtweise massiv: „Diese künstliche Spaltung schadet uns allen. Wenn wir die Bedeutung von Artenvielfalt und Naturschutz für unsere Landwirtschaft ignorieren, sägen wir am Ast, auf dem wir sitzen, denn Landwirtschaft kann auf Dauer nur gemeinsam mit der Natur funktionieren und niemals gegen sie.“

Vor allem die Rolle der steirischen Agrarlandesrätin Schmiedtbauer, etwa in Fragen des Bodenschutzes oder bei der von ihr initiierten Kampagne gegen das EU-Renaturierungsgesetz, stößt auf absolutes Unverständnis: „Es ist irritierend, wie kurzfristige Interessen über das langfristige Wohl unserer Umwelt und Gesellschaft gestellt werden“, so Landwirtschaftssprecher Lackner. Eine Reihe von Fragen sollen abklären, wie die Landesrätin tatsächlich über eine nachhaltige und zukunftsfähige Landwirtschaft denkt: „Warum wird ein Konflikt zwischen Landwirtschaft und Naturschutz konstruiert, anstatt den gemeinsamen Nutzen zu suchen? Wie will die Landesregierung den Verlust der Artenvielfalt stoppen, der nicht nur unsere natürlichen Lebensgrundlagen, sondern auch die Grundlagen der Landwirtschaft bedroht? Wie will die Landesregierung unsere Ernährungssicherheit langfristig sichern? Das sind einige der Fragen, die eine zukunftsgerichtete Politik dringend beantworten muss. Wir wollen der Landesrätin die Möglichkeit geben, ihre Position darzulegen. Vielleicht beruhen ihre Haltungen auf einem tief verwurzelten Missverständnis“, begründet Lackner die Initiative in der morgigen Landtagssitzung.

Der Landwirtschaftssprecher appelliert an alle Beteiligten, ein neues Kapitel aufzuschlagen: „Die Zeit zum Handeln ist jetzt! Die Agrarpolitik muss reformiert werden. Es braucht die dringend notwendige Balance zwischen Produktivität und Umweltschutz, damit die steirische Landwirtschaft langfristig florieren kann, ohne unsere natürlichen Ressourcen zu gefährden“, setzt sich Andreas Lackner für eine grundlegende Neugestaltung ein.

Zentrale Forderungen der Grünen Agrarpolitik:

  • Ernährungssicherheit & Bodenschutz: “Erhalten, was uns ernährt“

In einer Welt des raschen klimatischen und wirtschaftlichen Wandels ist Ernährungssicherheit von zentraler Bedeutung. Der Druck der Lebensmittelkonzerne und die Abhängigkeit von den globalen Märkten zeigen, wie wichtig eine regionale Versorgung ist. Wir müssen sicherstellen, dass unsere Landwirtschaftspolitik diesen Herausforderungen gewachsen ist und sie die Ernährungssicherheit gewährleistet.
Dem Bodenschutz kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Der Boden bildet die Produktionsgrundlage für unsere Lebensmittel. Die Grünen setzen sich für den Schutz dieser wertvollen Ressource durch nachhaltige Bewirtschaftungsmethoden ein, die Erosion verhindern, die Wasserqualität schützen und die biologische Vielfalt erhalten.

 

  • Kleine bäuerliche Strukturen statt Agrarindustrie: „Gemeinsam für Vielfalt und Eigenständigkeit“ 

Der Einfluss der Agrarindustrie bedroht kleine und mittlere Betriebe in ihrer Existenz. Die Grünen setzen sich für eine Landwirtschaft ein, die Vielfalt und nachhaltige Produktion in Einklang bringt. Es gibt keine Landwirtschaft ohne Naturschutz und keinen flächendeckenden Naturschutz ohne Landwirtschaft. Die Agrarsubventionen müssen gerechter verteilt werden, kleine und mittlere Betriebe bevorzugen und ökologische Leistungen der Landwirtschaft ausreichend unterstützen. Die steirischen kleinstrukturierten Familienbetriebe bringen mehr Vielfalt in die Kulturlandschaft und sichern in Krisenzeiten die regionale Versorgung.

 

  • Direktvermarktung: „Regional versorgt, gemeinsam gestärkt“ 

Direktvermarktung stärkt die lokale Landwirtschaft, verkürzt die Transportwege und reduziert damit den CO2-Ausstoß. Sie ermöglicht eine faire Preisgestaltung für Produzent:innen und schafft durch Transparenz und Qualität Vertrauen bei den Konsument:innen. Die Grünen unterstützen Initiativen, die regionale und saisonale Produkte direkt von den Höfen auf den Teller bringen. Ein landesweiter „Steiermark-Laden“ könnte Bäuerinnen und Bauern, die nicht auf Bauernmärkte gehen können, bei der Direktvermarktung unterstützen und damit die regionale Wertschöpfung steigern.

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