Aufklärung zu Hangrutschung und Schutzwaldrodung gefordert
Im Zusammenhang mit der Hangrutschung am südsteirischen Graßnitzberg und der damit verbundenen Schutzwaldrodung sowie der Beschädigung der Landesstraße L 613 stellen die Grünen in der kommenden Landtagssitzung dringliche Fragen an Landesrat Hans Seitinger. Lambert Schönleitner verlangt unter anderem Aufklärung darüber, wer die Verantwortung für die Schäden trägt und für die entstandenen Kosten aufkommt. Der Grüne Kontrollsprecher kritisiert generell den Raubbau am steirischen Boden und die Rodung von Waldflächen zugunsten neuer Produktionsflächen im Weinbau.
Die Südsteiermark ist bekannt für ihre einzigartige Landschaft und ihren Qualitätsweinbau von europäischer Bedeutung. Die Grünen betonen die Verantwortung, dieses Juwel durch nachhaltige Bewirtschaftung auch für zukünftige Generationen zu erhalten. Großflächige Rodungen im Weinbau, vor allem in einzelnen Betrieben, stoßen jedoch auf Widerstand und Unmut sowohl in der Bevölkerung als auch in der Weinwirtschaft.
Hangrutschung nach Rodung
Ein konkretes Beispiel ist ein Weinbauprojekt in Straß, bei dem im Jahr 2020 eine Waldfläche von über 2,6 Hektar gerodet wurde. Bereits im Vorfeld gab es massive Befürchtungen der Bevölkerung, dass es zu Hangrutschungen kommen könnte. Trotzdem wurden die Rodungen durchgeführt. Die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Bereits Anfang 2021 begann der Hang zu rutschen und die Landesstraße L 613 musste teilweise gesperrt werden. Landesrat Hans Seitinger beschwichtigte, dass alle Entscheidungen auf Basis von Fachgutachten getroffen wurden. Seit Mitte Mai 2023 ist die Straße nun komplett gesperrt, Wohnobjekte und landwirtschaftliche Betriebe sind akut gefährdet. Die Kosten für die Schäden belaufen sich bereits auf 600.000 Euro, Expert:innen warnen vor weiteren Schäden in Millionenhöhe.
Aufklärung gefordert: „Landesrat Seitinger muss klar Schiff machen“
Die Grünen bringen die Causa nun in den Landtag und konfrontieren Landesrat Hans Seitinger mit einer Dringlichen Anfrage: Kontrollsprecher Lambert Schönleitner will unter anderem wissen, wie Seitinger die sicherheitsgefährdenden Vorgänge bewertet, ob ein umfassender Sanierungsplan für die betroffene Fläche erstellt wurde und ob eine Wiederaufforstung angeordnet wurde. Außerdem verlangt Schönleitner Auskunft darüber, warum das öffentliche Interesse an der Rodung den Schutz des Waldes und die Sicherheitsbedenken überwiegen konnte. „Es muss die Frage erlaubt sein, warum das Projekt trotz aller Warnungen und Bedenken genehmigt wurde, auch im Wissen, dass es laut Auskunft lokaler Politiker:innen schon immer Setzungen gegeben hat“, so Schönleitner, denn: „Wer in dieser sensiblen Hanglage in der Südsteiermark die Rodung des Schutzwaldes auf derart fahrlässige Weise herbeigeführt und genehmigt hat, muss zu seiner Verantwortung stehen.“ Für Schönleitner steht eines außer Frage: „Die entstandenen Kosten dürfen nicht auf die Bevölkerung abgewälzt werden.“
Viele Fragezeichen
Schönleitner wird in die Anfrage auch den Vorwurf einfließen lassen, dass einige „handverlesene Großbetriebe“ immer wieder neue Auspflanzungsrechte erhalten, während kleinere Betriebe mit bürokratischen Hürden zu kämpfen haben. „Diese Causa ist jedenfalls ein weiteres tragisches Beispiel, wie mit steirischem Boden umgegangen wird. Es gibt so viele Ungereimtheiten, wo wir genauer hinschauen und für die Zukunft Mechanismen finden müssen, die solche hausgemachten Katastrophen verhindern.“