Mit Blick auf den morgigen Pflegedialog zwischen Landesrätin Juliane Bogner-Strauß und Heimvertreter:innen fordert die Klubobfrau der Grünen Steiermark Sandra Krautwaschl, dass „die Landesrätin unmittelbar im Anschluss an den Termin endlich substanzielle Maßnahmen zur Bekämpfung der steirischen Pflegemisere präsentiert“. Vor drei Monaten haben sowohl der Bund mit dem größten Pflege-Reformpaket der letzten Jahrzehnte, als auch die Steirischen Grünen mit ihrer Grünen Pflegestrategie die Basis dafür gelegt. Die Landesrätin ließ seither aber weitere wertvolle Zeit verstreichen. Doch spätestens jetzt, wo Bogner-Strauß entlastet und das Bildungsressort von Neo-Landesrat Werner Amon übernommen wurde, sollte sie in der Lage sein, ein vernünftiges Pflege- und Betreuungsgesetz auf den Boden zu bringen.
Reden ist Silber, Handeln ist Gold
Krautwaschl ist selbst seit Jahren in regelmäßigem Kontakt mit Fachleuten und Pflegebediensteten, sie kennt deren drängendsten Anliegen: „Es braucht jetzt und nicht erst morgen ein Paket, das Menschen in den Pflegeberuf bringt sowie die Bedingungen für Bedienstete genauso wie für Betroffene und deren pflegende Angehörige spürbar verbessert“. Krautwaschl legt der säumigen Landesrätin einmal mehr die in der o. g. Grünen Pflegestrategie formulierten Maßnahmen ans Herz. „Die großen Baustellen im steirischen Pflegesystem sind bekannt. Es liegt alles auf dem Tisch“, hofft Krautwaschl, dass die Landesrätin vom Dauerreden endlich ins Handeln kommt.
Grüne Pflegestrategie für die Steiermark
1) Prävention stärken und Heimunterbringungen hintanhalten:
Der Grundsatz „Mobil vor stationär“ muss endlich ernsthaft zum Leben erweckt werden. Konkret bedeutet das, Pflegeangebote je nach individuellem Bedarf flexibel einzusetzen, die mobile Pflege und Tagesbetreuung massiv auszubauen und den Zugang zu erleichtern. Die sogenannte „mobiREM“, die ambulante geriatrische Remobilisation muss steiermarkweit ausgerollt werden, um ältere Menschen nach einem Akutereignis bei der Wiederherstellung ihrer Mobilität und Selbständigkeit zu unterstützen und ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.
2) Pflegende Angehörige stärken:
Zusätzlich zum 1500 Euro Bonus des Bundes braucht es auf Landesebene dringend den Ausbau sowie die verbindliche Ausweisung von Kurzzeitpflegebetten und die gesetzliche Implementierung eines Rechtsanspruchs auf familienentlastende Dienste. In diesem Zusammenhang ist auch der Ausbau von Tageszentren zu forcieren bzw. der niederschwellige Zugang zu diesen zu ermöglichen. Die bisherige Regelung, wonach diese nur Personen ab 60 Jahren mit Pflegegeldbezug offenstehen, widerspricht dem präventiven Charakter dieser Einrichtungen.
3) Fehlunterbringung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen in Pflegeheimen beenden:
Der Psychiatriezuschlag in der bisherigen Form muss abgeschafft werden, denn dadurch wurden völlig falschen Anreize gesetzt. Stattdessen muss es das Ziel sein, mobile sozialpsychiatrische Betreuung sowie Tagesstrukturen sukzessive entsprechend dem Bedarf auf- und auszubauen und damit die nicht passende Unterbringung von Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen stufenweise rückgängig zu machen.
4) Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Pflege:
Vor allem die Anhebung des Personalschlüssels (Mindestpersonalausstattung) im stationären Bereich spielt dabei eine entscheidende Rolle. Die mehr als 500 Millionen Euro an Bundesgeldern sollen das Einkommen der Menschen in Pflegeberufen spürbar erhöhen. Als weitere Maßnahme gilt es nun Rahmenbedingungen zu schaffen, die es den Menschen im Pflegewesen ermöglichen, mit Freude und Leidenschaft ihre Tätigkeit auszuüben. Eine ausreichende, bedarfsgerechte Personalausstattung ist der wesentlichste Schlüssel dafür.