Leider keine Community Nurses für Söding-St. Johann
In der Gemeinderatssitzung vom 20. November 2024 brachten die Grünen Söding-St. Johann und die SPÖ Söding-St. Johann einen Dringlichkeitsantrag ein, um Landesförderungen für die Einführung von Community Nursing in Söding-St. Johann zu sichern. Dieses wichtige Projekt, das Menschen hilft, so lange wie möglich in ihrem eigenen Zuhause zu leben, wurde jedoch von ÖVP und FPÖ blockiert.
„Es ist wichtig, dass Menschen so lange wie möglich in ihrem Zuhause leben können. Die Community Nurses könnten dabei als Ergänzung zu den mobilen Pflegekräften eine zentrale Unterstützung bieten. Leider wurde diese Chance verpasst“, erklärt der Grüne Gemeinderat Michael Kaindl.
Im letzten Regierungsprogramm wurde klar festgelegt, das Community Nursing in 500 Gemeinden zu etablieren – Söding-St. Johann hätte nun Teil dieser Initiative sein können. Die Verweigerung durch ÖVP und FPÖ stößt auf scharfe Kritik: „Unsere Versorgungslandschaft wird sich in den nächsten Jahren dramatisch verändern. Es braucht eine bedarfsorientierte, niederschwellige Versorgung. Aber in Wahlkampfzeiten geht es offenbar nicht um die Sache, sondern vorrangig um politisches Kalkül“, ergänzt Michael Kaindl.
Der Vizebürgermeister von Söding-St. Johann, Anton Wipfler, meint dazu: „Unsere Gemeinde gibt Millionen für eine Multifunktionshalle aus. Wenn der politische Wille da wäre, könnten die 16.000 Euro pro Jahr für Community Nursing ohne weiteres aufgebracht werden.“
Die SPÖ Söding-St. Johann und die Grünen Söding-St. Johann fordern die Gemeindeführung daher auf, das Wohl der Menschen in den Vordergrund zu stellen und Entscheidungen im Sinne der Gemeinschaft zu treffen – unabhängig von parteipolitischen Überlegungen.
Eine Vollzeitstelle im Bereich Community Nursing kostet insgesamt 100.000 Euro, davon entfallen 20 % auf Sachleistungen. Da das Land 60 % der Kosten übernimmt, beläuft sich der Eigenanteil für die Gemeinde auf 40.000 Euro pro Jahr.
Rechenbeispiel: Wenn sich vier Gemeinden (z.b. Ligist, Voitsberg, Söding-St. Johann und Krottendorf-Gaisfeld) mit insgesamt ca. 19.500 Einwohner:innen für die Einrichtung zweier Community-Nursing-Stelle zusammenschließen, betragen die Kosten pro Einwohner:in nur 4,1 Euro pro Jahr – für ein wohnortnahes, hochwertiges Gesundheitsangebot.
Community Nursing
Community Nurses sind spezialisierte Pflegekräfte, die seit der Pflegereform 2021 in insgesamt 116 Pilotprojekten in Gemeinden eingesetzt werden. Sie bieten Pflege- und Betreuungsdienstleitungen für ältere Menschen direkt vor Ort durch Hausbesuche an, sodass diese in ihrer gewohnten Umgebung möglichst lange selbstständig bleiben können. Für die Betroffenen ist das Angebot kostenlos. Es zielt darauf ab,
- die Lebensqualität von älteren Menschen zu verbessern,
- pflegende Angehörige zu entlasten
- und die Pflege- und Betreuungsangebote in den Gemeinden zu verbessern.
Aufgaben und Ziele
Prävention und Gesundheitsförderung
Community Nurses sollen präventive Maßnahmen fördern, um gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen und zu vermeiden. Dazu gehören zum Beispiel Beratung zu gesunder Lebensführung, Sturzprävention oder Unterstützung bei chronischen Erkrankungen.
Pflege und Betreuung zu Hause
Sie unterstützen ältere Menschen und ihre Angehörigen direkt vor Ort, indem sie Hausbesuche machen, pflegerische und soziale Betreuung anbieten und bei Bedarf an weiterführende Dienste vermitteln.
Vernetzung und Koordination
Community Nurses arbeiten eng mit anderen Gesundheits- und Sozialeinrichtungen zusammen, um eine nahtlose Versorgung sicherzustellen. Sie koordinieren die verschiedenen Angebote und helfen den Betroffenen, sich im Gesundheitssystem zurechtzufinden.
Unterstützung von Angehörigen
Sie bieten Beratung und Schulungen für pflegende Angehörige an, um diese in ihrer Rolle zu stärken und zu entlasten.
Gemeinwesenorientierung
Durch ihre Präsenz in den Gemeinden sind Community Nurses gut mit den lokalen Strukturen und Bedürfnissen vertraut. Sie tragen dazu bei, die Pflege und Betreuung auf die spezifischen Anforderungen der jeweiligen Gemeinde abzustimmen.