Tannenhof: Landesregierung muss reagieren – Konsequenzen für Arbeitersamariterbund und Umsteuerung des Pflegesystems gefordert

„Die Landesregierung darf sich nicht aus der Verantwortung stehlen“, sagt die Grüne Landtagsklubobfrau Sandra Krautwaschl nach dem heutigen „Steirekrone“-Bericht über die Vorwürfe gegen das Pflegeheim Tannenhof: „Das steirische Pflegesystem ist – wie wir schon seit vielen Jahren kritisieren – viel zu heimlastig! Und mobile Pflege ist im Vergleich zur stationären immer noch stark benachteiligt – seit Jahren reagieren die jeweils zuständigen LandesrätInnen darauf nicht“, so Krautwaschl: „Hier braucht es endlich ein konsequentes Umsteuern zur mobilen Pflege und zur Entlastung pflegender Angehöriger!“

Klar ist für die Grünen aber auch: „Die Führung des Arbeitersamariterbundes ist nicht in der Lage, angemessen zu handeln – hier fehlt es offensichtlich an Kompetenz“, so Krautwaschl zu den heutigen Interview-Aussagen: „Dieses Interview zeugt von einem völligen Versagen von Personen, die für Menschenleben verantwortlich sind – und die auch im Nachhinein keine Fehler erkennen können…“ „Wenn Landesrätin Bogner-Strauß jetzt nicht handelt, ist sie mitverantwortlich dafür, wenn sich diese Vorgänge wiederholen“, bringt es die Grüne Klubobfrau auf den Punkt.

„Die Landesregierung handelt fahrlässig, wenn sie hier einfach zur Tagesordnung übergeht und Betreibern, denen offenbar grundlegende Kompetenzen fehlen, die höchst vulnerable Gruppe von pflegebedürftigen Steirerinnen und Steirern weiter anvertraut.“ Krautwaschl erinnert an dieser Stelle auch an die massive Kritik der Chefin der steirischen Patienten- und Pflegeombudschaft, die vom „Verdacht einer menschenunwürdigen Behandlung“ sprach und unter anderem „zu wenig Wissen über Schutzkleidung, fehlende Bekleidung etc. für SeniorInnen“ als Kritikpunkte auflistete. Aus Grüner Sicht muss das Land die Zusammenarbeit mit dem Arbeitersamariterbund grundsätzlich hinterfragen – bestätigen sich die Vorwürfe, dürfe es keine Bewilligung mehr für die Betreiber geben. Die Vorwürfe werfen zudem erneut die Frage auf: „Wie engmaschig sind eigentlich tatsächlich die Kontrollen des Landes, dass in einem Heim derartige Zustände herrschen können?“, fragt Krautwaschl.

Und sie erinnert an die Diskussionen um die Corona-Sommerakademie, die das Land letztes Jahr angeboten hatte, die aber nur sehr schlecht besucht war: „Wie kann es das geben, dass ein Heimbetreiber, der sogar mehrere Heime betreibt, dort entweder geschlafen hat oder nicht anwesend war?“ Im Tannenhof gab es ja, siehe Interview, nicht einmal Hygieneschulungen… Die Grünen hatten im Vorjahr auf verbindliche Vorgaben für Heimbetreiber gedrängt – Bogner-Strauß hatte das jedoch immer wieder abgelehnt: „Viele der vorgeworfenen Verfehlungen waren Inhalt der Sommerakademie: Es ist nicht zu entschuldigen, dass das Land auch viele Monate nach Beginn der Corona-Pandemie solche Zustände, wie sie offenbar im Tannenhof herrschten, zulassen konnte!“