Handlungsbedarf: Grüne für stärkere Förderung von Frauen und Mädchen in der Wissenschaft

Weltweit besuchen mehr Mädchen denn je die Schule und auch in Österreich beginnen mehr Frauen als Männer ein Studium. Nach jeder weiteren Qualifizierung nimmt jedoch der Frauenanteil leider ab. Lediglich 25 Prozent der ProfessorInnen sind Frauen. „Zwar hat sich in den letzten Jahrzehnten die Situation deutlich verbessert, aber sie ist immer noch nicht gut genug. Nach wie vor finden sich strukturelle Diskriminierungen an österreichischen Universitäten, die es zu beseitigen gilt“, verweist die Frauen- und Wissenschaftssprecherin der Grünen, LAbg. Veronika Nitsche, auf die Situation im heimischen Wissenschaftsbetrieb und fordert die Universitäten auf, hier verstärkt tätig zu werden. Laut Frauenförderungsplan der Uni Graz (hier zum Download) ist seit 2016 „keine Steigerung des Frauenanteils bei den ProfessorInnen zu verzeichnen; der Frauenanteil bei den ProfessorInnen ist mit 28 % stabil, während der Frauenanteil beim gesamten wissenschaftlichen Personal von 38 % bzw. 39 % auf 41 % gestiegen ist. Dies drückt sich in einem tendenziell rückläufigen Glasdeckenindex* aus“, heißt es im Bericht.

Insbesondere ist hier das Augenmerk auf den wissenschaftlichen und auch künstlerischen akademischen Nachwuchs zu legen. Vielfach hat sich hier ein akademisches Prekariat etabliert, welches vor allem durch befristete Verträge und daher wenig Planbarkeit gekennzeichnet ist. „Wir müssen feststellen, dass es zwar das eine oder andere Förderungsprogramm für den weiblichen wissenschaftlichen Nachwuchs gibt, aber es dann für die hochqualifizierten Wissenschaftlerinnen zu wenig Professuren oder vergleichbar Stellen gibt“, sieht Nitsche dringenden Handlungsbedarf.

Bei der Studienwahl zeigt sich, ähnlich wie bei der Auswahl von Lehrberufen – Mädchen wollen Friseurinnen, Burschen wollen Kfz-Mechaniker werden – ein geschlechtsstereotypisches Bild. Noch immer sind Frauen in den wichtigen und zukunftsweisenden MINT-Fächer – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – massiv unterrepräsentiert. Förderungsmaßnahmen der letzten Jahre haben hier nur wenig Verbesserungen gebracht. „Hier liegt die Verantwortung jedoch auch bei den überwiegend männlichen Lehrenden. Sie müssen drauf achten, eine diskriminierungsfreie Lern- und Forschungsumgebung zu schaffen“, beschreibt die Nitsche die Situation vor allem an technischen Universitäten und auch Fachhochschulen.

„Es gilt den auf mehreren Ebenen bestehenden Gender-Gap, etwa bei der Auswahl des Studiums, durch strukturelle Diskriminierungen oder bei der Vereinbarkeit von Karriere und Familienplanung, jedenfalls zu verkleinern und besser noch zu beseitigen“, resümiert Nitsche anlässlich des Internationalen Tages der Frauen und Mädchen in der Wissenschaft.

* Der Glasdecken-Index ist ein international etablierter Indikator zur Messung der Aufstiegschancen von Frauen. Der Begriff der „Gläsernen Decke“ bezieht sich auf Barrieren, welche die Karrieren von Frauen beeinträchtigen. Berechnen lässt sich der Glasdecken-Index, indem der Frauenanteil bei den ProfessorInnen in Relation zum Frauenanteil im wissenschaftlichen Stammpersonal gesetzt wird. Beim Stammpersonal werden keine ProjektmitarbeiterInnen und LektorInnen berücksichtigt.