Enteignung der LandwirtInnen für die die B70 kommt nicht in Frage!

In einem Pressegespräch in Hallersdorf legten die Grünen (Verkehrssprecher LAbg. Lambert Schönleitner, Bezirkssprecher Christian Zach, die Ligister Gemeinderätin Karin Mauser sowie Michael Kaindl, Gemeinderat in Söding-Sankt Johann) heute Vormittag ihre Position zum geplanten Ausbau der B70 dar: „Das B70-Uraltkonzept aus dem vorigen Jahrtausend in keiner Weise mehr zeitgemäß“, formulierte es Lambert Schönleitner und nahm vor allem die „geplante Versiegelung von 40 Hektar Boden für einen Verkehrszubringer in die Landeshauptstadt Graz“ ins Visier: „Viele LandwirtInnen wären davon betroffen: Es wäre wirklich jammerschade, wenn der Landeshauptmann und die ÖVP hier eine zweistellige Zahl an Bäuerinnen und Bauern enteignen würde!“

Schönleitner erinnert daran, dass die Steiermark jetzt bekanntlich schon österreichweite traurige Spitzenreiterin beim Bodenverbrauch ist – die B70-Pläne wären aus Grüner Sicht „eine Investition in die falsche Richtung“. Die Grünen geht es darum, den Bestand mit Sicherheitsbauten und Lärmschutz zu verbessern um den bestmöglichen Schutz für die AnrainerInnen zu schaffen. Gefordert wurde bei der Pressekonferenz „ein offener Dialog, bevor die Landesregierung den Startschuss für ein ,Projekt aus dem letzten Jahrtausend‘ gibt“, wie es Schönleitner formulierte – der Grüne Verkehrssprecher merkte zum heutigen „Bekenntnis“ von Landeshauptmann Schützenhöfer und Landeshauptmann-Stellvertreter Lang außerdem an, dass „dieses Bekenntnis ein wenig zukunftsorientiertes ist“.

Statt den Herausforderungen der Zukunft mit Konzepten aus dem letzten Jahrtausend zu begegnen, schlagen die Grünen vor, die kolportierten Kosten von 55 Mio. Euro (eine sehr niedrig angesetzte Schätzung) in folgendes Maßnahmenbündel zu investieren um die Region in eine in jeder Hinsicht lebenswerte und vor allem wirtschaftlich zukunftsfähige Richtung zu lenken:

Modernisierung des öffentlichen Verkehrs, der Bahnlogistiksysteme und der Fahrradinfrastruktur
Insbesondere sollte die GKB in Zukunft eine noch wichtigere Rolle für die Region spielen. Sowohl was den Waren- und Güterverkehr aus und in die Region, als auch was den Personenverkehr betrifft. Die umgehende Modernisierung der Bahnanlagen, eine zeitgemäße Taktverdichtung und flexible Ladelogistiksysteme müssen dabei im Fokus stehen. Das berufsbedingte Pendeln sollte von der Haustüre bis zum Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln zeiteffizient und kostengünstig möglich sein. Der baldige Start für das 1-2-3-Ticket auch in der Steiermark soll hier ein Puzzlestein sein, wie auch die Einführung von Sammeltaxis, flexiblen Gemeindebussen und anderen Mikro-ÖV Angeboten.
Das Potential des Radverkehrs in der Region sollte endlich genutzt werden und Infrastruktur, die die Nutzung des Fahrrads in der Region attraktiver macht, hergestellt werden. Insbesondere der Kainachtalradweg sollte zeitnah verwirklicht werden und die Geh- und Radwege an der bestehenden B70 ausgebaut und sichere Querungsmöglichkeiten geschaffen werden.
Mit den beschriebenen Maßnahmen sollte nicht nur der berufsbedingte Verkehr, sondern auch weite Teile des Freizeitverkehrs in den Umweltverbund (ÖV, Micro-ÖV, Fahrradverkehr) verlagert werden.

Optimierung des Verkehrsmanagements in der Region
Um die B70 zu entlasten, sollten auch verschiedene Möglichkeiten erörtert werden ob und wie die Verkehrsströme effizienter geleitet werden können. So könnte z.B. ein Teil des Verkehrsaufkommens über die A2 Abfahrt Steinberg umgeleitet werden. Dazu wären in weiterer Folge entsprechende Beschilderungen bzw. entsprechende Infokampagnen – also ein aktives Verkehrsmanagement – notwendig.

Investition in die Verkehrssicherheit und Lärmentlastung entlang der B70 – Bestandssanierung
Die B70 sollte von ExpertInnen unter Einbindung der Bevölkerung auf Gefahrenstellen und Lärmhotspots hin untersucht werden. Wo notwendig, sollten entsprechende Maßnahmen in die Wege geleitet werden. Die Maßnahmen können von der Verbreiterung des Straßenquerschnitts über die Errichtung von Unter- und Überführungen in Kreuzungsbereichen, Schaffung von sicheren Querungsmöglichkeiten bis hin zu einer teilweisen Temporeduktion (z.b. zwischen Kreisverkehr Rollau bis zum Kreisverkehr Krottendorf) auf Tempo 50 reichen. Neben der Steigerung der Verkehrssicherheit könnte durch die beschriebenen Maßnahmen auch die Lärmbelastung für die AnrainerInnen reduziert werden, indem entlang der betroffenen Gebiete in Umwelt und Lärmschutzmaßnahmen sowie Begrünungsmaßnahmen investiert wird.

Investitionen in die regionale Infrastruktur
Ziel muss es sein, die Region für ihre BewohnerInnen zu einem Lebensumfeld zu machen, indem sie gerne leben und arbeiten. Die Lebensadern zukunftsfähiger Regionen werden jedoch nicht Straßen sein. Mit der aktuellen Corona-Pandemie erleben wir einen weiteren Schub in der Digitalisierung der Arbeitswelt. Diese Entwicklung verändert und steigert die Ansprüche, an entsprechende Infrastruktur. So gilt es etwa rasch den Ausbau des Glasfasernetzes voranzutreiben. Die Region sollte sich in enger Abstimmung mit BürgerInnen und den regionalen Wirtschaftsnetzwerken auf die Herausforderungen der Zukunft vorbereiten und durch Anreize für StartUps und neue Kultur- und Sportangebote Impulse setzten und so nicht nur die vorhandenen Arbeitsplätze sichern, sondern auch neue Arbeitsplätze schaffen.

Das Problem in der Landeshauptstadt würde sich weiter verschärfen
Außerdem: Der geplante Ausbau hätte auch massiv negative Auswirkungen auf die Verkehrs- und Luftsituation im gesamten Steirischen Zentralraum, insbesondere auf den „Luftschadstoffhotspot Graz“. Ein aktueller Rechnungshofbericht zeigt die besorgniserregende Entwicklung im Steirischen Zentralraum auf. Es sind speziell die Verkehrsströme aus dem – und in das – Umland der Landeshauptstadt, welche die Situation massiv verschärfen: „Wer Straßen säht, wird Verkehr ernten“.